[Hessen und Drumherum] Er ist zum Trend-Thema geworden. So wie vor nicht allzulanger Zeit die Bienen. Nun will jeder beim Aufforsten der Wälder mithelfen. Auch da, wo weder Schädlinge, saurer Regen, Stürme oder gar hungrige Rehe zum Tod der Bäume beigetragen haben, sondern "nur" unserer neues Klima mit Hitze und Trockenheit.
Nun sammeln neu gegründete Klimavereine eifrig Spenden (z. B. pro Baum 8 Euro), animieren Unternehmen, sich "nachhaltig" öffentlichkeitswirksam zu engagieren, um Pflanzaktionen mit zu veranstalten, die von modern denkenden Menschen gerne wahrgenommen werden - für das gemeinsame Ziel, in den nächsten Jahren eine Millionen Bäume in die Erde zu setzen.
Das Über-Thema lautet "Artenvielfalt erhöht die Klimaresistenz der Wälder". Klar, während der flachwurzelnde Baum eines Tages verdorrt, übersteht der Tiefwurzler Trockenperioden besser. Welcher das genau ist, stellt sich irgendwann raus - Hauptsache, das ist ein "heimisches" Exemplar.
Es geht um typische Mischwälder in Deutschland und Mitteleuropa mit Bergahorn · Douglasie · Eberesche · Eibe · Elsbeere · Esskastanie · Feldahorn · Flaumeiche · Flatterulme · Gemeine Berberitze · Hainbuche · Haselnuss · Hundsrose · Kornelkirsche · Kreuzdorn · Lärche · Linde · Pfaffenhütchen · Robinie · Rotbuche · Roteiche · Schlehe · Schwarznuss · Speierling · Spitzahorn · Stieleiche · Traubeneiche · Walnuss · Weißdorn · Weißtanne · Wildbirne · Wildkirsche · Winterlinde... (alphabetisch sortiert).
Genauer hat es die KI herausgesucht
Die meisten dieser Baum- und Straucharten gehören tatsächlich zur heimischen Flora Mitteleuropas, darunter Ahornarten wie Berg‑, Spitz‑ und Feldahorn, klassische Laubbäume wie Rotbuche, Hainbuche, Linde, Stiel‑ und Traubeneiche sowie Wildobstarten wie Wildkirsche, Wildbirne, Schlehe, Weißdorn oder Kornelkirsche. Auch Eibe, Hasel, Pfaffenhütchen, Kreuzdorn, Hundsrose und Berberitze zählen zu den einheimischen Gehölzen.
Einige Arten sind jedoch nicht heimisch, sondern gelten als Neophyten, die erst durch menschlichen Einfluss nach Europa gelangt sind. Dazu gehören die Douglasie, die aus Nordamerika stammt, ebenso wie die Robinie, die sich hier stark ausbreitet und ökologisch umstritten ist. Auch die Roteiche und die Schwarznuss sind nordamerikanische Arten. Die Esskastanie ist allerdings ein Sonderfall: Sie wurde bereits von den Römern eingeführt und gilt heute vielerorts als „archäophytisch“, also historisch eingebürgert, aber nicht ursprünglich heimisch.
Die Flaumeiche, Elsbeere, Speierling und die Flatterulme sind zwar selten, aber echte heimische Arten. Die Weißtanne ist ebenfalls heimisch, allerdings vor allem im süddeutschen Raum und in höheren Lagen.
Ach, die kennen Sie alle nicht - geschweige denn ihre Eigenschaften...?
Egal, die Mischung aus Laub- und Nadelbäumen sowie der verschiedenen Sträucher fördert auf jeden Fall die Biodiversität und läßt auf die "Gesundheit" des Waldes hoffen, wenn alles fachgerecht gepflegt wird.
Aha, es geht also auch um die Nachsorge...
Frisch gepflanzte Bäume brauchen vor allem ausreichend Wasser, einen lockeren und unkrautfreien Boden sowie Schutz vor Frost und Wildverbiss. In den ersten Jahren ist regelmäßiges Gießen entscheidend, besonders in trockenen Perioden. Der Boden sollte nicht verdichtet sein, damit die Wurzeln gut anwachsen können. Ein Baumschutz hilft, junge Bäume vor Schäden zu bewahren.
Bisher werden jedoch dazu noch keine Workshops für eifrig helfende Laien veranstaltet :-(
Wer Aufforstungsflächen besucht, sieht zunächst keine großen Bäume, sondern eher einen „Baumkindergarten“. Die Setzlinge sind meist nur wenige Dezimeter hoch, dünn und zart. Dünne Stämmchen mit wenigen Seitenzweigen, meist noch mit einer Stützstange oder einem Schutz gegen Wildverbiss versehen.
Die jungen Pflanzen wirken unscheinbar. Sie sind oft nur 30–100 cm hoch, manchmal auch etwas größer, wenn sie aus Baumschulen stammen. Erst nach einigen Jahren bilden sich kräftigere Kronen und die typische Baumgestalt. Die eigentliche Waldwirkung entsteht erst, wenn die Bäume an Höhe gewinnen und sich ein geschlossenes Kronendach bildet.
Aufforstung gilt zwar als Hoffnungsträger im Klimaschutz, wird aber durchaus kritisch diskutiert. Die Kritik richtet sich weniger gegen das Pflanzen von Bäumen an sich, sondern gegen die Art und Weise, wie Aufforstungsprojekte umgesetzt werden.
- Kurzfristige Symbolpolitik: Pflanzaktionen werden manchmal als „grünes Event“ inszeniert, ohne dass die langfristige Pflege gesichert ist. Viele Jungbäume gehen in den ersten Jahren ein, wenn sie nicht gegossen oder geschützt werden.
- CO₂-Bilanz überschätzt: Bäume binden zwar CO₂, doch die Wirkung entfaltet sich erst über Jahrzehnte. Für kurzfristige Klimaziele reicht Aufforstung allein nicht.
- Erst durch die Kombination mit anderen Maßnahmen, wie Waldumbau, Schutz alter Bestände und gleichzeitiger Reduktion von Emissionen werden Aufforstungen sinnvoll.
So what.
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de
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