[Deutschland] Viele von uns lieben die deutsche Ostseeküste und verbringen da ihre Ferien. Niemand jedoch rechnet dort mit einer Umweltkatastrophe: Wasser sauber, Strand gut. Doch Greenpeace warnt vor gravierenden Gefahren: Es gibt seit einiger Zeit ein erhöhtes Risiko durch die russische „Schattenflotte“. Immer mehr veraltete und mangelhaft gewartete Öltanker transportieren russisches Rohöl durch die deutsche Ostsee – oft sogar innerhalb der 12-Meilen-Zone, seitdem Schweden die Passage zwischen Bornholm und dem Festland stärker kontrolliert.
Bei einem Unfall würde eine Ölpest drohen
Risiken der Schattenflotte für Deutschland: Die Tanker sind überwiegend marode, falsch geflaggt oder flaggenlos und fahren unkontrolliert oft sogar durch deutsche Hoheitsgewässer.
Alte Tanker haben ein deutlich erhöhtes Havarierisiko: Eine größere Leckage durch Rost, defekte Pumpen, mangelhafte Navigationstechnik erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls. Da solche Schiffe meist gar nicht oder nur über dubiose Anbieter versichert sind, müsste Deutschland im Schadensfall die Bergung, Küstenreinigung und Umweltsanierung selbst tragen.
Greenpeace weist darauf hin, dass flaggenlose, also staatenlose Schiffe kein Recht auf friedliche Durchfahrt haben. Deutschland könnte eingreifen, tut es aber bisher nicht. Die Meldung dazu: HIER <-KLICK.
Die Flagge eines Schiffes ist übrigens wie ein "Personalausweis" und bestimmt die Rechtseinordnung des Schiffes auf den Weltmeeren - welche Gesetze an Bord gelten und welches Land für das Schiff verantwortlich ist.
Sich schlau machen: Das sollte man wissen, um mitreden zu können
Die Schattenflotte ermöglicht Russland weiterhin hohe Öleinnahmen und unterläuft EU-Sanktionen. Angefangen hat alles mit dem "Preisdeckel", einem wirtschaftlichen Sanktionsinstrument, das die G7‑Staaten und die EU Ende 2022 gegen Russland eingeführt haben. Er betrifft russisches Rohöl, das per Schiff exportiert wird und erlaubt Transport inklusive Versicherung russischen Öls nur, wenn der Verkaufspreis unter 60 US‑Dollar pro Barrel liegt. Liegt der Preis darüber, dürfen westliche Reedereien, Versicherer und Dienstleister nicht mitwirken. Doch viele Länder außerhalb des Westens haben kein Interesse, den Preisdeckel durchzusetzen.
Russland soll zwar Öl exportieren können, aber weniger Einnahmen erzielen. Also wird das Land kreativ. Fachquellen beschreiben mehrere klar erkennbare Strategien, mit denen Russland den Preisdeckel systematisch umgeht. Transportiert wird oft über riskante, marode Tanker - so erzielt man trotzdem Milliarden‑Einnahmen, die laut bpb (Bundeszentrale für politische Bildung) auch zur Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine beitragen.
Umgehungsstrategien Russlands
- Schattenflotte: Russland kaufte hunderte alte Tanker auf, die außerhalb westlicher Kontrolle fahren. Diese Schiffe nutzen keine westlichen Versicherer sondern Versicherungen aus Ländern, die nicht am Preisdeckel teilnehmen. Manche Schiffe fahren sogar komplett unversichert.
- Ship‑to‑Ship‑Transfers (STS): Das Öl wird auf hoher See von einem Schattenflotten‑Tanker auf ein anderes Schiff umgepumpt. Dadurch verschleiert man die Herkunft des Öls und den Verkaufspreis.
- Falsche oder wechselnde Flaggen: Viele Tanker fahren ohne Flagge oder wechseln sie häufig, um Kontrollen zu erschweren.
- Verkauf über Zwischenhändler: Öl wird über Firmen in den Emiraten, Indien oder Singapur verkauft, die den tatsächlichen Preis und die Herkunft nicht offenlegen.
- Export in Länder ohne Sanktionen: Indien und China kaufen große Mengen russischen Öls – oft unter Preisdeckel, aber mit Zusatzrabatten und komplexen Vertragsmodellen.
Das auch noch
In der Tagesschau wurde auf PFAS im Meeresschaum hingewiesen
Greenpeace Proben an der Ostseeküste zeigten schon letztes Jahr eine massive Belastung des Meeresschaums mit gesundheitsschädlichen "Ewigkeitschemikalien" (PFAS), die ausländische Grenzwerte um ein Vielfaches übersteigen. Da in Deutschland offizielle Richtwerte für Badegewässer fehlen, fordert Greenpeace Aufklärung und Badewarnungen - KLICKmal.
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de





















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