[Deutschland / Europa] Die Verbraucherorganisation foodwatch hat sich einer Klage gegen Glyphosat vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) angeschlossen. Das Verfahren hatten das Pesticides Action Network (PAN Europe) und andere zivilgesellschaftlichen Organisationen eingeleitet. Grund: Die EU-Kommission hätte trotz der nachgewiesenen schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt die Zulassung für Glyphosat 2023 für weitere zehn Jahre verlängert.
foodwatch kritisiert, Brüssel habe diese Entscheidung auf der Grundlage einer fehlerhaften, lückenhaften Risikobewertung getroffen. Unabhängige wissenschaftliche Studien seien zugunsten industriefinanzierter Forschung weitgehend ignoriert worden.
foodwatch International beantragte gemeinsam mit Le Collectif de soutien aux victimes des pesticides de l'Ouest (Unterstützungsgruppe für Pestizidopfer in Westfrankreich), France Parkinson und der französischen Verbraucherorganisation l'UFC-Que Choisir, dem Verfahren vor dem EuGH als Streithelfer beizutreten.
Wissenschaftliche Erkenntnisse aus den vergangenen Jahrzehnten zeigen klar: Glyphosat ist eine Gefahr für unsere Gesundheit und die Umwelt. Schon vor zehn Jahren hat die WHO-Krebsforschungsagentur den Stoff als ‚wahrscheinlich krebserregend‘ bewertet.
"Das hätte ein sofortiges Verbot zur Folge haben müssen. Doch indem sie unabhängige Studien ignorierten, eine fehlerhafte Risikobewertung vornahmen und die Zulassung für Glyphosat schließlich verlängerten, sind die EU-Behörden vor der mächtigen Agrarlobby eingeknickt - auf Kosten der Gesundheit der Verbraucher:innen und der Umwelt“, sagt Natacha Cingotti von foodwatch International.
Glyphosat ist das meistverkaufte Herbizid der Welt und wird mit Umweltschäden und schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen in Verbindung gebracht, darunter Krebs, Fortpflanzungsstörungen und neurologischen Erkrankungen.
Im Dezember 2024 reichten das Pesticide Action Network Europe (PAN) und fünf seiner Mitglieder Klage beim EuGH ein, um die Entscheidung der Europäischen Kommission anzufechten, Glyphosat für weitere zehn Jahre zuzulassen. Nach Ansicht der Organisationen habe die Kommission gegen wissenschaftliche Leitlinien der EU verstoßen und wichtige Anforderungen der EU-Pestizidverordnung nicht erfüllt. Daher sei die Schlussfolgerung Brüssels, dass Glyphosat sicher sei, wissenschaftlich nicht ausreichend begründet.
Weiterführende Informationen:
foodwatch-Report zu Pestiziden beim Getreideanbau: „The dark side of grain“
Quelle Text: foodwatch e.V.