Der große Frühlingszug nach Norden hat begonnen (c) NABU, Klemens Karkow
[Hessen] Seit einigen Tagen ist wieder das großartige Frühjahrsschauspiel ziehender Kraniche am Himmel über Hessen zu sehen. Aufmerksame Naturfreunde konnten bereits erste Schwärme des laut trompetenden „Glücksvogels“ am Himmel beobachten. „Bei dem wechselhaften Wetter fliegen die Kraniche derzeit noch im Pendelverkehr über Hessen hinweg, mal nach Norden und mal nach Süden“, erklärt NABU-Kranichexperte Bernd Petri.
Seit kurzem überwiegt aber der Zug nach Norden deutlich. „Die Kraniche beoachten das Wetter, um möglichst als erste in den nordischen Brutgebieten anzukommen und die besten Plätze zu ergattern“, erläutert Petri.
Der NABU Hessen ruft dazu auf, alle Kranich-Beobachtungen online auf www.kranich-hessen.de zu melden. Auf der Meldewebseite sind alle eingetragenen Kranich-Beobachtungen einsehbar, so dass sich der Vogelzug dort quasi live miterleben lässt.
Hessen liegt in einer Hauptflugroute der Kraniche auf ihrem Weg von den Winterquartieren in Nordfrankreich und Spanien zu Ihren Brutgebieten nach Ostdeutschland und Nordeuropa. In den nächsten Wochen ziehen bis zu 300.000 Kraniche über Hessen hinweg.
Die Kraniche sind besonders bei südwestlichen Winden und sonnigem Wetter zu beobachten, da sie sich dann vom Wind tragen lassen und Energie sparen können. An solchen Tagen brechen sie früh morgens in großen Schwärmen auf, ziehen vor allem die Rheinebene entlang und weiter über Mittel- und Osthessen hinweg in Richtung Weser. Dabei können Sie eine Geschwindigkeit von 50 bis 70 Stundenkilometern erreichen.
Kraniche rasten in den Auen
Bei schlechtem regnerischem Wetter suchen Kraniche auf ihrem Zug in den hohen Norden immer öfter Rastplätze in Hessen auf, um sich vom anstrengenden Flug zu erholen und Nahrung aufzunehmen. Derzeit sind an vielen Orten in Hessen rastende Kraniche zu sehen.
Der Biologe Petri bittet alle Naturbeobachter um Rücksichtnahme: „An den Rastplätzen sollte man einen Abstand von 300 Meter einhalten, um erschöpfte Tiere nicht unnötig zu beunruhigen.“ Typische hessische Rastgebiete sind die Auen von Rhein und Main, die Wetterau sowie die Flusstäler von Lahn, Eder, Werra und Fulda. „Je mehr Daten wir über das Zugverhalten der Kraniche erhalten, desto besser können wir vor Ort Schutzmaßnahmen ergreifen – z.B. für Rastplätze in Hessens Flussauen und Feuchtgebieten“, ergänzt Petri.
Zugveränderungen im Klimawandel
Die Zahl der ziehenden Kraniche hat sich in den letzten dreißig Jahren verzehnfacht. Die starke Zunahme hängt vor allem mit den verkürzten Zugwegen und einem großen Bruterfolg zusammen. Durch die Klimaerwärmung ist es für viele Kraniche nicht mehr nötig, im Winter bis nach Südspanien oder Nordafrika zu ziehen. Viele Vögel überwinterten an großen Seengebieten wie dem Marne-Stausee in Nordfrankreich.
Für den Naturbeobachter sind ziehende Kraniche an ihrer keilförmigen Formation und den trompetenartigen Rufen zu erkennen. Bei günstigen Flugbedingungen ziehen die bis 1,30 Meter großen Tiere, die ihre Flügel bis 2,40 Meter weit aufspannen können, ohne Zwischenhalt von Nordfrankreich bis nach Ostdeutschland.
Kraniche online melden bei NABU-Naturgucker
Quelle: NABU





















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