Besucher lauschen dem Vogelgeschwitscher (c) Harald Bernd, NABU Friedberg
[Wetterau] Traditionell finden Vogelstimmenwanderungen meist am frühen Morgen statt, wenn die verschiedenen Vogelarten nacheinander ihren Gesang beginnen, doch führt wohl das veränderte Freizeitverhalten dazu, dass sich immer weniger Interessierte dazu aufraffen. Deshalb hat der NABU Friedberg in diesem Jahr am frühen Sonntagabend zur Vogelstimmenwanderung eingeladen. Der Erfolg bestätigte die Richtigkeit der Entscheidung: Mehr als 20 Interessierte, darunter auch 3 Kinder, konnten Vorstandsprecherin Ruth Müller und Gerd Bauschmann - ehemaliger Mitarbeiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Frankfurt und langjähriger Vorsitzender der NABU-Gruppe Friedberg - begrüßen.
Bauschmann erwies sich als profunder Kenner der Geschichte und Natur des Wingerts, der im Mittelalter wirklich Weinberg war, dann Ackerland und ab Mitte des 19. Jahrhunderts mit Obstbäumen bepflanzt wurde. Da Obstbäume eine Lebensdauer von etwa 80 Jahren haben, stirbt inzwischen die zweite Baumgeneration ab. In den letzten Jahren wurden im Zuge der Ausgleichsflächen für den Bau der Ortsumfahrung oder durch private Nutzer zahlreiche neue Hochstämme gepflanzt, doch fehlen die Bäume mittleren Alters um 40 - 50 Jahre.
Bedeutsam für Vogelarten, die ihre Nahrung am Boden suchen, ist die Beweidung der Flächen durch zwei Dorheimer Schafhalter. 24 verschiedene Vogelarten von Amsel bis Zilpzalp wurden gehört oder gesehen: Haussperling, Kohl- und Blaumeise, Buchfink, Turmfalke, Gartenrotschwanz, Ringeltaube, Mönchs-, Klapper-und Dorngrasmücke, Bunt- undGrünspecht, Singdrossel, Kuckuck, Star, Nachtigall, Heckenbraunelle, Zaunkönig, Rabenkrähe, Fasan und Weißstorch.
Der Botaniker Dr. Stefan Nawrath ergänzte die Führung durch Informationen zur Pflanzenwelt der auf dem Wingert vorherrschenden Salbei-Glatthafer-Wiesen: Wiesensalbei, knolliger Hahnenfuß, Wiesen-Labkraut, Mittlerer und Spitzwegerich und Wiesenknopf oder Pimpinelle, Bestandteil der Grüne Soße, wachsen hier. Dagegen bestehen die neu angelegten Ausgleichsflächen aus einer monotonen Nur-Gras-Mischung.
An einem Baum fiel ein Kasten mit einem Solarpaneel auf. Es handelt sich um eine Horchbox der Vogelschutzwarte Gießen, die Vogelstimmen aufnimmt und mit Hilfe von KI analysiert. An einer anderen Stelle zeichnet ein „Batcorder“ die Töne von Fledermäusen auf. Auf einigen Wiesen waren überdachte Bodenfallen für Insekten eingegraben. Insgesamt wurden bisher 2.144 Arten (Pflanzen, Pilze, Tiere) auf dem Dorheimer Wingert nachgewiesen - er ist nach derzeitiger Erkenntnis das artenreichste Streuobstgebiet Deutschlands und wurde schon 2013 im Rahmen der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet.
Auf der Höhe trennt die Alte Römerstraße von Friedberg nach Echzell den Wingert vom Ackerland. Dort herrschte im Gegensatz zum lebendigen Wingert die absolute Stille der toten Agrarsteppe der konventionellen Landwirtschaft
Auf dem Gelände des NABU-Streuobsterlebnispunktes hatte Ruth Müller inzwischen eine kleine Stärkung bereitgestellt: Apfelsaft und -wein vom Wingert pur oder gespritzt und selbstgebackene Pizzaschnecken.
Gut zu wissen
Die nächsten Veranstaltungen des NABU Friedberg sind ein Kräuterspaziergang in Zusammenarbeit mit dem KuTV Ossenheim am 14.06.2026 um 16.00 Uhr, Treffpunkt Ecke Assenheimer Straße/Hinter’m Alten Ort unter der Leitung von Dr. Beate Alberternst - und am 28.06.2026, ab 10.00 Uhr eine Insektenexkursion mit Dr. Barbara Feldmeyer, Treffpunkt Ockstadt, Usinger Straße Ecke Galgenkopfstraße (Panzerstraße).
Weitere Informationen zu Veranstaltungen und zur Arbeit des NABU finden Sie auf der Homepage www.nabu-friedberg oder erhalten sie bei speziellen Fragen per Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .
Quelle: NABU Friedberg
Dorheimer Wingert - eines der bekanntesten Weidewelt‑Gebiete
-
Streuobstwiesen‑Hanglage mit alten Hochstämmen
-
Größe: ca. 20 ha
-
1.800 hochstämmige Obstbäume, viele alte Sorten
-
200 nachgepflanzte Bäume, inkl. seltener Lokalsorten
-
Beweidung durch Rhön- und Fuchsschafe
-
200 Pflanzenarten, 104 Vogelarten nachgewiesen
-
Kooperation mit GEH und NABU Friedberg
Der Dorheimer Wingert ist frei zugänglich und kann ganzjährig betreten werden. Das Gelände am Ortsrand von Dorheim dient als offen geführte Kulturlandschaft mit hoher ökologischer Bedeutung und steht Besucherinnen und Besuchern ohne Einschränkung zur Verfügung. Die Wege dürfen genutzt werden, gleichzeitig gilt der übliche Schutzrahmen für Naturflächen: Rebzeilen und sensible Bereiche sollen nicht betreten, Pflanzen und Tiere nicht gestört werden. Damit verbindet der Dorheimer Wingert öffentliche Zugänglichkeit mit dem Anspruch, das Gebiet als wertvollen Natur‑ und Erholungsraum zu erhalten.
Mehr zum Wingert bei Dorheim: www.weidewelt.de/weidelandschaften/weidewelt-projektgebiete/wingert-bei-dorheim/
Das auch noch bei der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH): www.g-e-h.de/ <-KLICK