Ohne Luft zu holen können Menschen nicht leben. In der Regel atmen wir eigentlich unbewusst. Erst, wenn wir aus irgendeinem Grund "ins Keuchen" geraten, machen wir uns Sorgen. Dass wir zu oft und zu lange vorübergebeugt am Tisch oder auf der Couch sitzen, kann ein Grund sein. Auch das Gegensteuern zur Vermeidung von Schmerzen führt zu Verspannungen und irgendwann meistens zur Verformung der Wirbelsäule. Die Lunge hat dann weniger Platz und die inneren Organe (Magen etc.) werden nach vorne in den Bauch gedrückt, weil die Rumpfmuskulatur erschlafft.
Durch den krummen Rücken wird mit der Zeit der Brustkorb eng und der Bauch wölbt sich vor.
Diese Körperhaltung beeinflusst die Atmung: Sie wird flacher, sodass in der Lunge nicht genügend Luft ankommt. Und am Ende wird ein unbeachteter Muskel im Inneren des Körpers träge: Das Zwerchfell, das in der Hauptsache die Pumpbewegungen für den Lufttransport erledigt. Beteiligt sind zudem Brust- und Schultergürtelmuskeln, die mithelfen, den Lungen beim Luftholen Platz zu verschaffen.
Doch Nacken und Rücken verkrampfen sich. Irgenwann zieht man die Schultern hoch, weil die Wirbelsäule zu starr geworden ist, um sich aufzurichten. Die Haltung zu korrigieren wäre nun dringend nötig, tut aber schon weh: Ein sogannter Rundrücken ist entstanden: Dehnen ist jetzt angesagt, damit seine Ausprägung nicht weiter fortschreitet.
Im Teufelskreis von Schmerzen, Atemnot und Mobilisierungtraining konsultiert man kluge Ratgeber: "Du atmst falsch!"
Den Anfang macht also notgedrungen Atemtraining. Doch bitte wie: In den Bauch zur Entspannung oder besser mit Brustatmung für sportliche Bewegungen? Eindeutige, klare Ansagen sind rar. Denn mitreden beim Gesamtthema können Orthopäden, Gelenkspezialisten, Lungenärzte, Schmerztherapeuten, Osteopathen sowie Physiotherapeuten und klaro Neurologen wegen der Nervenschmerzen plus auch die KI im Internet... Und zwar sooooooo wortreich und überbordend, dass einem der Kopf schwirrt - Stichwort: Dyssynergie.
Die einzelnen Aspekte werden leider meistens isoliert betrachtet, obwohl Atmung ein komplexer, biomechanischer Gesamtvorgang ist.
Nicht vergessen sollte man in diesem Zusammenhang zusätzlich das allgemeine körperliche (gesunde) Befinden durch richtige Ernährung mit passenen Mengen und guten Inhaltsstoffen sowie die Versorgung mit Mineralien (Calcium, Magnesium etc.) und Vitaminen (D3 etc.). Denn wer seinem Körpergefühl nicht mehr trauen kann, weil er zu dick ist, sich mit Tabletten über Wasser hält oder mit Alkohol betäubt bzw. Mangelerscheinungen hat, ist in einer schwierigen Lage.
Zur Erkennung des Problems und der Zusammenhänge wären diese allgemein anwendbaren Mechanismen auch ohne Arzt und teuer therapierbares wissenschaftliches Biofeedback erstmal sinnvoll:
1. Aufrichtung statt „Bauchatmung vs. Brustatmung“
Eine stabile Wirbelsäule ermöglicht Muskeln und dem Zwerchfell volle Bewegung.
2. Mobilisation der Rippen und Brustwirbelsäule
Damit der Brustkorb wieder expandieren (sich weiten) kann.
3. Koordination statt Krafttraining
Zwerchfell + Rumpf- und Bauchmuskeln müssen locker zusammenarbeiten.
Wer Daten und Kontrolle im Alltag braucht, schafft sich eine Smartwatch an. Während medizinische Geräte gezielt einzelne Parameter wie den Hautleitwert, spezifische Muskelspannungen oder ein exaktes EKG mit Brustgurt nutzen, arbeiten Smartwatches vor allem mit praktischen, alltagstauglichen Schätzungen über optische Sensoren am Handgelenk. Für das tägliche Stress- und Atemmanagement sind sie aber recht gute Begleiter. Sie verfügen über Pulsmesser und Bewegungssensoren, um Körperreaktionen in Echtzeit zu messen und dem Nutzer direkt rückzumelden.
Viele Uhren haben auch geführte Atem-Apps. Sie leiten visuell auf dem Display oder fühlbar durch sanfte Vibrationen dazu an, tief ein- und auszuatmen. Die Uhr hilft dabei, den Puls oder die Herzratenvariabilität (HRV) während der Übung zu synchronisieren. Zudem misst das Gerät kontinuierlich die Herzratenvariabilität (HRV). Sinkt diese drastisch oder steigt der Puls in Ruhe stark an, erkennt die Uhr Stressreaktionen des autonomen Nervensystems und gibt oft sofortiges Feedback in Form einer Benachrichtigung oder eines Hinweises.
Durch die direkte Anzeige von Puls- und Stresswerten am Handgelenk lernen Nutzer schneller zu erkennen, welche Situationen (z. B. Hektik, falsche Atmung oder eben eine krumme, einengende Haltung) den Körper belasten, und können direkt darauf reagieren.
Oder auch nicht (ist alles abschaltbar :-)
Hinweis am Rande
So schnell, wie man in das Problem hineingerutscht ist, kommt man nicht aus der Situation wieder raus. Der Weg aus der Fehlhaltung ist ein Marathon, kein Sprint – aber jeder aufrechte Schritt zählt, denn Aufgeben ist keine Option.
Quelle: Brigitta Möllermann, HESSENMAGAZIN.de